szmmctag

  • Entwicklungshelfer des Geldes wegen

    Bei meinem Studentenjob als Promoter/Verkäufer trifft man immer wieder auf viele verschiedene Menschen, die spannende Geschichten im Gepäck haben. Manchmal amüsant, machmal überaus interessant, manchmal auch einfach nur ignorant.

    So wie auch vergangenes Wochenende. Ein deutsches Ehepaar mittleren Alters, das bereits seit gut vier Jahren in Saudi-Arabien im Bereich der Entwicklungshilfe tätig ist, war mal wieder auf einen ihrer vielen Deutschland-Rückkehr-Besuche, denn für sie gilt, Zitat: "wir brauchen Abstand zu all dem Chaos".
    Im Markt standen sie vor einem Kaffee-Vollautomaten mit vierstelligem Preis, die ihnen bis vor Kurzem treue Dienste geleistet hatte. Leider sei sie nun kaputt gegangen.

    Kollege: Sind Sie denn noch in der Garantiezeit?
    Ehefrau: Nein, dürften wir eigentlich nicht mehr sein. Die Maschine ist über zwei Jahre alt, oder?
    Der Ehemann nickt: Kann man die Maschine beim Hersteller dann einschicken?
    Kollege: Wenn Sie die Maschine hier gekauft haben, dann können wir...
    Ehemann: Nein, die Maschine wurde aber nicht in Deutschland gekauft.
    Kollege: Aber Sie haben sie hier?
    Ehemann: Nein, sie steht in Saudi-Arabien.
    Kollege: Dann wenden Sie sich doch bitte an den Service des Herstellers in Saudi-Arabien - wenn es das überhaupt gibt...
    Ehemann: Gibt es.
    Ich: Hatten Sie wirklich vor, die Maschine von Saudi-Arabien nach Deutschland zu schicken, obwohl sie wissen, dass es vor Ort einen Service gibt?!
    Ehemann: Ja, natürlich. Da sitzen doch nur irgendwelche Pakistani oder Bangladeshi rum, und fummeln dann nur so ein bisschen rum, und geben es uns dann zurück...
    Kollege: Was haben die Kollegen denn vor Ort gesagt, was kaputt sei?
    Ehemann: Wir waren ja noch nicht da.
    Ich: Und dann wissen Sie, dass da "irgendwelche Pakistani oder Bangladeshi rumsitzen", die keine Ahnung von den Maschinen haben?!
    Ehefrau: Ja, das ist halt so.

    Daraufhin bin ich dann gegangen. Und so etwas nennt sich Entwicklungshelfer. Wer über vier Jahre in einem "Entwicklungsland" lebt und so ignorant gegenüber Bevölkerungsgruppen auftritt, die aus noch viel ärmeren Regionen der Welt kommen, der tut, was er tut, nur des Geldes wegen. Keine Sympathie, kein Mitgefühl und anscheinend auch nicht wirklich mit Herzblut bei der Sache.

    In dem tollen Buch "Rot - Menschen in Kathmandu" von Milda Drüke wird dies ebenfalls geschildert. Die Autorin sieht sich mit UN-Mitarbeitern konfrontiert, die in schicken Hotels - fernab des wahren Nepals leben - und nur wegen der Entfernungs- und Gefahrenzulage ihre Stelle in Nepal antraten. Wer sich für das Buch interessiert, findet hier meine Rezension: http://mein-nepal.blog.de/2014/11/18/nepal-buch-empfehlung-rot-menschen-kathmandu-19726687/

    Hier eine super-gute Textstelle:

    "Ich sehe nicht, wie es unserem schönen Nepal besser gehen sollte. Ich glaube auch nicht an Hilfe der UN."
    Seine Stimme klingt heute schwermütig, wie die von Arjun. Er sagt, die UN interessiere sich weniger für die Menschen in Nepal als für ihre eigene Organisation. Die UN-Mitarbeiter lebten in einer Parallelwelt, weit entfernt von der nepalesischen Realität. Sie müssten nie für Benzin anstehen, säßen in klimatisierten Wagen, versammelten sich in großen Hotels auf Konferenzen und hielten Reden, die in Zeitungen kommentiert würden, aber nichts veränderten.
    "Ihnen fehlt die Liebe zu den Menschen. Wie kann man helfen, wenn die Liebe fehlt?", fragt er und sieht mich, die Schultern hochziehend, an.

    aus "Rot - Menschen in Kathmandu" S.202
    von Milda Drüke (2010)

  • Nepal Kalender 2015 kaufen und gleichzeitig helfen

    Helfen kann so einfach sei:

    Nepal Kalender 2015

    Die Erlöse aus den Kalendern werden dabei an den gemeinnützigen Verein hamromaya Nepal e.V. gespendet.

    Der tolle Nepal Kalender ist ein Monatswandkalender im Din A4 Querformat mit 12 schönen Motiven aus Nepal. Die Fotos wurden uns freundlicherweise von der ehemaligen Nepal-Volontärin Sonja Michel kostenfrei zur Verfügung gestellt.

  • Nepālī bhāsābhandā sajilo bhāsā chhaina

    Es gibt keine Sprache, die leichter ist als Nepali, lerne ich nach etwa 9 Wochen in Lektion 7 Übung 25 auf Seite 104 meiner Nepalesisch bzw. Nepali Unterlagen.
    Das würde ich auf Anhieb nicht direkt unterschreiben... Aber ich muss sagen, grammatikalisch geht es bisher. Doch der ganz schwere Brocken - die grammatikalischen Zeiten (Vergangenheit und Zukunft) - liegen in den bevorstehenden Kapiteln schon direkt vor mir. Mal schauen, wie ich mich da durchkämpfe.

    Seit Anfang Oktober stehe ich jeden Morgen schon um 6h auf - bis auf ein einziges Mal... da war ich eh... sagen wir mal so: "noch angetrunken"... - und lerne (mehr oder weniger) fleißig für knapp 1-2 Stunden Nepalesisch.
    In den vergangenen Jahren habe ich mir schon einen relativ - für einen Ausländer - guten Wortschatz angeeignet. Doch so richtig nepalesisch Sprechen - geschweige denn Lesen und Schreiben - konnte ich bisher noch nicht. Das hat sich mittlerweile nach über zwei Monaten auf jeden Fall schon geändert.

    Nepalesisch lernen

    Natürlich ist das noch alles andere als fließend, aber ich muss sagen, dass ich doch einigermaßen zurecht komme. :) Wie breit mein Wortschatz damals gewesen ist, zeigt sich an den Vokabeln der ersten 100 Seiten meiner Unterlagen. Es sind nicht sonderlich viele, die mir komplett neu sind - Gott sei Dank!
    An was es zurzeit - oder auch damals - hapert, ist die Konjunktion der Verben, die Satzstellung, sonstige Sonderregelungen und die ganzen "postpositions" (in Nepali werden Präpostionen nachgestellt). Das muss ich mir "einfach" einprägen.

    Aber ich werde es wohl so machen, dass ich das Buch durcharbeiten werde, um die grammatikalische Struktur kennenzulernen. Richtig nepalesisch sprechen lernen, werde ich dann vor Ort. Ich bin ohnehin jemand, der eine Sprache nur richtig lernen kann, wenn er auch in der Umgebung der Sprache steckt. Und da ich keine nepalesischen Freunde in meinem unmittelbaren Freundeskreis in Deutschland habe, müssen meine Unterlagen erst einmal herhalten.
    Bis zu meiner Rückkehr nach Nepal ist es ohnehin nicht mehr so lang... ;)

  • Neue Spielecke in unserer Behindertenschule

    Die komplette Renovierung der Behindertenschule Nirmal Bal Bikas Vidhyalaya haben wir uns seit Beginn diesen Jahres zu unserer Haupt- und Langzeitaufgabe gemacht. Denn Unterstützung braucht diese Einrichtung ganz dringend. Als ich im März 2013 zum ersten Mal die Behindertenschule besucht habe, musste ich echt schlucken. Trotz (damals) sehr heruntergekommenen Einrichtungen strahlten die Mitarbeiter/innen - allen voran die Direktorin - immer noch eine so große Herzlichkeit aus und machten es den geistig behinderten Kindern so gut wie möglich...

    Seit 2014 widmen wir uns intensiv der Renovierung und dem Umbau.
    Wir konnten im ersten Halbjahr 2014 neue Sanitäranlagen bauen sowie Schulmauern hochziehen, damit die Kinder nicht unbeaufsichtigt auf die Straße rennen können (Hier geht es zum Bericht und zu den Bildern). Unten Vorher-Nachher-Bilder.

    Großprojekt Behindertenschule 1Großprojekt Behindertenschule 1

    Wir sorgten dafür, dass viele der kargen Wände nun bunt bemalt sind und die Behindertenschule viel farbenfroher erscheint. Volontäre aus aller Welt halfen und helfen uns noch immer dabei.
    In der zweiten Hälfte des Jahres begannen wir eine Spielecke mit Schaukeln, einer Rutsche und Bänke zu errichten. Die Behindertenschule steht zwar auf einem großen Gelände, bot den Kindern aber keine Spielmöglichkeiten. Die einzige Rutsche war bedauerlicherweise kaputt. Das haben wir nun glücklicherweise geändert! :) Die Spielecke sieht echt super aus und wird auch schon tatkräftig von den Kindern genutzt. Unten sieht man die große Veränderung :)

    Großprojekt Behindertenschule 3Großprojekt Behindertenschule 4

    Für mehr Bilder geht es hier zu unserer Galerie.

    Aufgrund der wochenlangen Monsunregenfälle gleicht das gesamte Gelände der Behindertenschule eher einer Sumpf- und Mosslandschaft. Auch aus diesem Grund haben wir den Boden, auf dem die Spielecke steht, komplett betoniert - denn der nächste Monsun wird wieder kommen...

    Zurzeit pausieren unsere weiteren Projekte, da eine sehr engagierte junge Volontärin aus Österreich - in Absprache mit uns und unserem Partner Nepali Host Family - eine neue Dusche für die Schule bauen möchte. In der Schule leben nämlich zurzeit 8 Kinder, die bisher immer im freien gewaschen werden mussten. Außerdem lässt sie womöglich auch Wasserfilter installieren, damit alle sauberes Trinkwasser bekommen. Wir werden ihr natürlich hierbei finanziell unter die Arme greifen!
    Es ist schön zu sehen, wie schnell sich Volontäre in dieser Einrichtung involvieren. Das passiert nicht nur aus "Mitleid", sondern vielmehr aus der Herzlichkeit der Menschen in dieser Einrichtung heraus. Keiner von diesen Menschen hat jemals um etwas gebeten. Wir helfen, weil wir uns mit diesen Menschen verbunden fühlen :)

  • Wenn Schulen wegen Politikgipfel geschlossen werden

    Dass Nepals Schülerinnen und Schüler trotz 6-Tage Woche dank der massiven Anzahl religiöser und staatlicher Feiertage, dank der Ferien sowie dank der (nur noch) gelegentlich auftretenden Streiks ein relativ ruhiges Schulleben genießen dürfen, wird von Zeit zu Zeit noch getoppt... :roll:

    Im Rahmen des 18. SAARC-Gipfels (South Asian Association for Regional Cooperation) - zu Deutsch: Südasiatische Vereinigung für regionale Kooperation - das in diesem Jahr vom 22.11. bis zum 27.11. in Nepal stattfindet, wurden nämlich ALLE Schulen und Colleges für vier Tage geschlossen...
    Wie immer freut es natürlich die Kinder, aber die Frage bleibt doch: WARUM??? :??: Es ist ja nicht so, dass die Schülerinnen und Schüler am Gipfel teilnehmen. Auch wird keiner der Lehrer sich den ganzen Tag an den Fernseher setzen, um stets auf dem neuesten Stand zu bleiben.... -.-

    So wichtig der Gipfel für die Wirtschaft und politische Zusammenarbeit Nepals mit seinen Regional-Partnern ist, so darf doch dabei das eigene Bildungswesen nicht darunter leiden!
    Wann ist der nächste große Gipfel in Deutschland? Ich will auch eine Woche frei bekommen :P

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